Leserbrief der


vom 23.05.2026

CDU müsste Flächen benennen

Betrifft: Artikel „Da läuft was schief“ (EJZ vom 12. Mai)

Wenn eine mögliche Rückdeichung zwischen Meetschow und Gorleben vom Umweltministerium unzureichend kommuniziert wird, bietet das unsachlichem Protest Raum.

Dass die CDU darauf aufsattelt, statt triftige Gründe ins Feld zu führen, ist wohl allein der Besitzstandswahrung Betroffener geschuldet. Aber vielleicht gibt es keine handfesten Argumente. Dass Bauern ihr Land nicht verkaufen wollen, ist kein Argument. Niemand müsste verkaufen oder gar enteignet werden. Es geht allein darum, dass Landwirte, deren vorwiegend vormalig flutgefährdetes Land erst dank vom Steuerzahler finanzierter sicherer Eindeichung wertvoll wurde, den Wertzuwachs nicht wieder verlieren wollen. Deshalb gibt es allenthalben bei Deichrückverlegungen Ausgleichszahlungen.

Die Behauptung eines ehemaligen Fachdienstleiters des Kreises „Das Wasser muss im und am Oberlauf gehalten werden, hier muss es im Hochwasserfall nur noch durch“ ist widerlegbar. Erstens: Der Oberlauf der vorwiegend gebirgige Landschaft durchfließenden Elbe, offiziell als Oberelbe bezeichnet, endet bei Riesa. Dort beginnt unsere vom Flachland geprägte Mittelelbe, tektonisch wie hydrologisch ziemlich gleich. Waren all die Deichrückverlegungen wirkungslos? Zweitens: Ab Riesa strömt unsere Mittelelbe um 370 Kilometer: Zum Hochwasserschutz wurden Überflutungspolder angelegt; geplant sind drei, sechs wurden großräumig schon durch Rückverdeichungen verwirklicht. Drittens: Die unterste Deichrückverlegung vor Lenzen (Brandenburg) verhinderte bei der letzten großen Flut unter anderem, dass Schnackenburg absoff. Man muss dazu wissen, dass zusätzliche Überflutungsflächen sogar einige Kilometer flussaufwärts die Fluthöhe bremsen. Das dürfte für eine Deichrückverlegung bei Meetschow ebenso zugunsten der Seegeniederung gelten. Viertens: Alle wissen, dass nur mehr Überflutungsraum bei gewaltigen Hochwässern gefährliche Flutspitzen ausbremst. Überflutungsraum dient vorrangig dem Schutz der Menschen davor, dass Deiche brechen.

Die Sorgen der Anwohner flussabwärts – auch bei Bleckede – könnten ein Stück weit verringert werden, sollte sich herausstellen, dass eine Deichrückverlegung bei Meetschow Extremhochwasser reduziert. Sicher ist, dass die Flutspitze höher ausfällt, wird die Seege abgedeicht. Bundes- wie auch europarechtlich gilt die Vorgabe, dass frühere Überflutungsflächen möglichst wiederhergestellt werden sollen, keinesfalls aber große Überflutungsgebiete eingedeicht werden dürfen, ohne wirkungsgleich dicht bei an anderer Stelle neue zu schaffen.

Wenn die CDU ernsthaft eine Abdeichung der Seege ermöglichen will, müsste sie Flächen für einen weitgehend wirkungsgleichen Ausgleichsraum für die Fluten benennen.

 

Carlos Sievers
Vietze

Bearbeitet am: 23.05.2026/ad


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