Leserbrief der

vom 11.10.2025

Planetarische Grenzen beachten

Betrifft: Veranstaltung des Landkreises zu Suffizienz

„Suffizienz (Genügsamkeit) als Weg zu einer demokratisch-ökologischen Zivilisation“, hieß der Vortrag von Prof. Lucht auf der Veranstaltung des Landkreises am 5. September im Gildehaus in Lüchow. Prof. Lucht ist unter anderem Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen und Mitarbeiter im UN-Weltklimarat und ist damit ganz eng, aktuell und weltweit mit dem Klimageschehen verbunden. Von daher waren seine Ausführungen für mich besonders überzeugend. Beeindruckend für mich auch die ethischen und philosophischen Aspekte seines Vortrags.

Für Prof. Lucht ist der Planet Erde mit seiner gesamten Pflanzen- und Tierwelt und dem Menschen ein Organismus, den wir Menschen – die planetarischen Grenzen nicht achtend – mit unserer ressourcenausbeutenden und Energie verschwenderischen Art zu leben krank gemacht haben, einhergehend mit der Zerstörung der Lebensgrundlagen von Menschen in den Ländern des Südens.

Dieser Organismus Erde ist so krank, dass es unwahrscheinlich ist, dass das internationale Pariser Klimaziel, bis 2030 die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, noch erreicht werden kann. Auch grüne Technologien, Energieeffizienz oder Kreislaufwirtschaft allein reichen nicht, Verhaltensänderungen im Sinne von Suffizienz sind unerlässlich. Diese für mich so eindringliche Sichtweise, die Erde als Organismus wahrzunehmen, verbinde ich mit der ursprünglichen Haltung indigener Völker der Erde gegenüber, einem „Buen Vivir“ („Gutes Leben“), das sich auf einem Leben und Wirtschaften in Respekt und Rücksicht gegenüber den Menschen, den Tieren und den Pflanzen gründet. Dazu gehören, übertragen auf westliche Gesellschaften, Lebensformen des Genug und eine Abkehr eines Strebens nach ständig steigendem Wachstum.

Alberto Acosta, ehemaliger Energieminister von Ecuador und Verfechter dieses „Buen Vivir“, hat schon 2010 auf einem Kongress in Berlin entsprechend der Aussage von Prof. Lucht gesagt: „Wenn wir mit dem ständigen Wachstum, der unaufhörlichen Produktion materieller Güter so weitermachen, wird unser Planet kollabieren – durch Auswirkung steigender Erderwärmung, Naturzerstörung, Verlust der Biodiversität weltweit.“

Es wäre eine Erlösung, wenn die Bedeutung von Suffizienz, wie sie von Prof. Lucht in dem Diskussionspapier des Sachverständigenrates zu Suffizienz formuliert worden ist, in Politik und Gesellschaft beachtet würde: „Suffizienz ist für die Stabilisierung der Erde und für ein menschenwürdiges Leben aller in planetarischen Grenzen unerlässlich.“
 

 

Hermann Klepper
Banzau

Bearbeitet am: 12.10.2025/ad


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