Schwer zu ertragen
▶ Betrifft: Weltklimakonferenz in Brasilien
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Es ist eine Textstelle aus der Hymne „Patmos“ des Dichters Hölderlin. Auf der Weltklimakonferenz in Brasilien erlebt die Welt das genaue Gegenteil: Obwohl die Welt auf eine Heißzeit zusteuert, auf eine vom Menschen nicht mehr zu beeinflussende Klimakatastrophe, die weite Regionen der Erde für den Menschen unbewohnbar machen wird (vgl. Potsdam – Institut für Klimafolgenforschung), setzen die Entscheidungsträger der Weltklimakonferenz aus Profitgier weiterhin auf fossile Energieträger, weit entfernt von einem Überdenken ressourcenintensiver Lebensstile.
Die EU und Deutschland reagieren empört, dabei hat die EU ihr Klimaziel kürzlich erst aufgeweicht, und Deutschland tut alles andere, als sich von fossilen Energieträgern zu verabschieden, setzt verstärkt auf Gaskraftwerke oder plant die Luftverkehrssteuer massiv zu senken. Kanzler Merz hört nicht auf, ständig zu wiederholen, dass er mit immer mehr Wirtschaftswachstum unseren „Wohlstand“ sichern will, unbeeindruckt von den zerstörerischen Folgen für Klima und Umwelt oder der Ausbeutung von Menschen.
Diese Haltung entspricht der des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva, der mehr Klimaschutz vor der Weltklimakonferenz gefordert hat, gleichzeitig aber im Mündungsgebiet des Amazonas für mehr Wohlstand nach Öl bohren lassen will. Es ist eine Tragödie für die Natur des Amazonasgebietes und für die dort lebenden indigenen Menschen. In diesem Zusammenhang aufschlussreich ist der am 29. Oktober von der Organisation Oxfam kurz vor der Weltklimakonferenz herausgegebene Bericht zum CO2-Ausstoß der Bevölkerung. Darin wird deutlich, dass der zunehmende CO2-Ausstoß der Reichen und Superreichen, auch in Deutschland, aufgrund ihres Lebensstils mit exzessivem Konsum die Klimakrise eskalieren lässt.
Oxfam weist auf die unfassbare soziale
Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft hin und fordert „eine
gemeinwohlorientierte Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen“ und eine
Abkehr vom Wachstumsdogma. Und es ist nicht zu verstehen, dass öffentlich in der
Politik eine von Oxfam geforderte Wirtschaftsform nicht ansatzweise diskutiert
wird. Dabei weist auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung für
Umweltfragen (Diskussionspapier Suffizienz) oder auch ein Artikel vom 8.
November in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische
Bildung auf die fatalen Folgen ungebremsten Wachstums auf diesem Planeten hin.
Wo bleibt das Rettende?
Hermann Klepper
Banzau