Leserbrief der


vom 13.12.2025

Dialogverfahren schadete in dieser Problemlage

▶ Betrifft: Artikel „Ohne zählbares Ergebnis" (EJZ vom 27. November)

„Um also schnell zu einer Lösung für das Hochwasserproblem in der Seegeniederung zu kommen (...) startete man den Dialogprozess ...“, schätzte die EJZ die Bearbeitungslage des Gartower Hochwasserproblems ein. Nicht die Seegeniederung hat ein Hochwasserproblem, sondern die Bevölkerung von Gartow. Dialoge führen zu einem größeren Verständnis zwischen Menschen. Sie führen aber nicht unbedingt zur Verantwortungsübernahme, zu Kompromissen oder Entscheidungen. Sie sind meist ein Mittel zur Vertagung. Ein Jahrhunderthochwasser folgte dem anderen. Die Gartower Politik und der zuständige Deichverband hatten sich vor Jahren auf der Basis eines Gutachtens für ein Sperrwerk bei Vietze entschieden und ihre Pflicht getan. Nur so könnte in absehbarer Zeit der notwendige Hochwasserschutz für die Gartower Bevölkerung hergestellt werden. In dem im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung angefertigten Gutachten wurden zwei Alternativen vorgeschlagen. Erstens: der Bau, die Erhöhung und die Reparatur von circa 40 Kilometer Deichen rund um die Seegeniederung. Zweitens: der Bau eines Sperrwerks, das nur bei gefährlichem Hochwasser geschlossen werden sollte.

Die Alternative Sperrwerk kostet etwa 50 Prozent der benötigten Mittel für den Deichbau und wäre in einem Bruchteil der Zeit, die für den Deichbau benötigt würde, zu bauen. Erstaunlicherweise wurde der Deichbau zum Teil schon jahrelang vorher vom Nabu abgelehnt, da er wie zum Beispiel an der Straße zwischen Gartow und Meetschow, wo es überhaupt keinen Deichschutz für Gartow gibt, in ein absolut schützenswertes Biotop hätte gebaut werden müssen. Naturschutzverbände beziehungsweise ihre Vertreter, meist auf dem Höhbeck wohnend, lehnten schon Jahrzehnte lang den notwendigen Deichbau ab und später dann auch den Bau eines Sperrwerks. Auf Argumente, das Sperrwerk könne auch in sommerlichen Trockenperioden helfen, die einzigartige Natur der Seegeniederung feucht zu halten, wurde entgegnet, man wisse nie, wer wann die Sperrtore des Damms bediene und ob das im Interesse des Naturschutzes geschehen würde. Außerdem würde ein Sperrwerk bei Vietze das Hochwasser in der Elbe an anderen Stellen erhöhen.

Das Durchführen eines Dialogverfahrens hat in dieser Problemlage geschadet. Uns drohen weiterhin Hochwasser, bei denen wir dann wieder Hilfskräfte aus dem ganzen Land um Hilfe bitten müssen. Naturschutzverbände sollten das Verhältnis zwischen Mensch und Natur so regeln, damit es beiden Parteien dabei gut geht. Das hat etwas mit Kompromissen zu tun. Eine Landesregierung hingegen muss entscheiden.
 

 

Klaus Pohlandt
Gartow
 

Bearbeitet am: 13.12.2025/ad


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